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Christian Roller,
erster Direktor der Illenau
1842-1878 |
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Dr. Karl Hergt,
zweiter Direktor der Illenau
1878-1889 |
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Dr. Heinrich Schüle,
dritter Direktor der Illenau
1890-1916 |
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Dr. Ernst Thoma,
vierter Direktor der Illenau
1917-1928 |
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Dr. Hans Roemer,
fünfter Direktor der Illenau
1928-1940 |
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Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Illenau
Die badische Psychiatrie hat, da sie sich des huldvollen Zuspruchs
des großherzoglich badischen
Hauses versichern durfte - dieses
Adelsgeschlecht verfügte seinerzeit selbst über einige
psychisch
Kranke - im 19. Jahrhundert einen einmaligen und damit
richtungsweisenden Weg beschritten.
Nachdem die psychisch kranken Menschen zunächst im sogenannten „Zucht-,
Irren-, Siechen-, Toll-
und Waisenhaus“ in Pforzheim verwahrt
wurden, erwog man schon 1806, eine „Universitäts-Irrenklinik“
in
Freiburg einzurichten. Doch dieser Plan wurde nicht weiterverfolgt
und man entschied sich vielmehr,
die „relativ verbundene Heil-
und Pflegeanstalt“ Illenau (bei Achern) in der Mitte Badens auf
der grünen
Wiese zu bauen und 1842 zu eröffnen.
Der erste Direktor Christian Friedrich Wilhelm Roller (1802-1878),
dem im Vorfeld erlaubt worden war,
sich zwei Jahre in ganz Europa Psychiatrien
anzuschauen und der selbst das Buch „Die Irrenanstalt
nach allen
ihren Beziehungen“ vorgelegt hatte, realisierte diese Musteranstalt.
Heilungsagens bildete die ideal vorgelebte Ersatzfamilie in ländlicher
Atmosphäre. Notwendig war
dabei der Anschluss an eine Stadt mit
guter Infrastruktur, aber im gebührenden Abstand zu dieser
Stadt,
eine Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Schulen und Pfarreien
beider Konfessionen
in der Nähe, eine leicht sicherzustellende
Nahrungsmittelversorgung und ein geschlossenes Terrain.
Um möglichst viele Patienten am sog. „Illenauer Geist“ partizipieren
zu lassen, war ein Baustil im
Korridorsystem erforderlich, um so weite
Einsichtsmöglichkeiten zu gewährleisten. Mit der
Abgeschiedenheit
und Einbindung aller Patienten in diesen Anstaltsgeist ließ sich
zugleich der
ordnungsstaatliche Anspruch erfüllen, der die Separierung
und Überwachung psychisch Erkrankter
verlangte.
Die heilbaren Patienten sollten dabei von den „unheilbar“ Kranken
nur innerhalb der Räumlichkeiten
getrennt werden, separiert allerdings
andererseits durch die sog. Geschlechterachse: Frauen rechts,
Männer
links. Diese Großanstalt Illenau wurde im vorletzten Jahrhundert
derartig vorbildlich und
richtungsweisend, dass - wie eine Forscherin
aus den USA darlegt - Psychiatrien in Amerika und
auf der anderen Seite
bis nach Kasachstan nach diesem Modell gestaltet wurden.
Die therapeutischen Bemühungen seitens der Illenau und ihrer Direktoren
Christian Roller (Direktor
1842-1878), Karl Hergt (1878-1890), Heinrich
Schüle (1890-1916), Ernst Thoma (1917-1928) und
Hans Roemer (1928-1940)
orientierten sich dabei immer an den aktuell modernsten Behandlungs-
ansätzen,
wobei die Illenau während ihrer fast hundertjährigen Existenz
immer einen Zwitterstatus
zwischen Universitätsklinik und Landesklinik
einnahm – ein einmaliger Status in Deutschland.
So legte Schüle
als Anstaltsleiter, und nicht ein Ordinarius für Psychiatrie,
mit seinem Buch: „ Klinische Psychiatrie“ ein Werk vor,
das das Fachgebiet zusammenfasste und alle neuesten
Erkenntnisse mit
einbezog. Auf eine solche Veröffentlichung hatte die Fachwelt
schon mehrere
Jahrzehnte warten müssen.
Kein designierter Anstaltsdirektor, der Vorschläge für seine
neu zu erbauende Anstalt machen sollte,
kam an der Illenau vorbei.
Im Anstaltstourismus des 19.Jahrhunderts war die Illenau ein absolutes „ Muss“.
Viele Anstaltspsychiater bewarben sich, über ihre Besuche hinaus,
um die Ausbildung in der
Illenau, so z.B. Bernhard von Gudden, Ludwig
Kirn und Richard von Krafft-Ebing.
Auch im 20. Jahrhundert erhielt die Illenau ihren mustergültigen
Ruf. So konstatierte Max Fischer
noch 1921: „Rollers Schöpfung
Illenau war eine einzig dastehende Großtat, nicht nur für
die
Heilwissenschaften im allgemeinen und für die Seelenkunde
im besonderen, sondern weit darüber
hinaus für die ganze
Kulturwelt; sie war in ihrer Art eine kosmopolitische Neuerung ohne
Vorbild“.
Die Nationalsozialisten machten allerdings vor den Toren Illenaus nicht
Halt. Trotz ihres weltweiten
Ruhmes als nach wie vor moderne Klinik,
noch dazu als Privatklinik für die begüterten Gesellschafts-
schichten,
wurde sie als „Heil- und Pflegeanstalt“, anders als die
Universitätskliniken, in die „ Euthanasie“ miteinbezogen
und viele ihrer Patienten wurden, nach direkter oder indirekter Deportation ü ber
Zwischenanstalten, in den Gaskammern ermordet. Im Oktober 1940 wurde
die Illenau schließlich
geschlossen.
G. Richter
Literaturverzeichnis:
FAULSTICH, H. (1993) Von der Irrenfürsorge zur „Euthanasie“.
Geschichte der badischen Psychiatrie
bis 1945. Lambertus-Verlag, Freiburg.
GEHRKE, W. (1995) Die Reformanstalt Illenau und ihre Bedeutung für
die badische Irrenfürsorge in
der Ära Roller. Eine psychiatriehistorische
Studie anhand der Illenauer Krankengeschichten von
1826 - 1877. Med.Diss.
Freiburg.
KRAMER, C. (1998) A Fool’s Paradise: The Psychiatry of Gemüth
in a Biedermeier Asylum.
Department of History; the University of Chicago.
LOETSCH, G. (2000) Von der Menschenwürde zum Lebensunwert. Die
Geschichte der Illenau von
1842 bis 1940. Achertäler Verlag.
RICHTER, G. (Hg.) (20052) Die Fahrt ins Graue(n). Die Heil- und Pflegeanstalt
Emmendingen
1933-1945 - und danach. Selbstverlag, Emmendingen.
SEIDLER, E. (1991) Die medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg i. Br..
Grundlagen und Entwicklungen. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg
u.a.O.
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